
„Wenn ich meinem Gedächtnis mißtraue - … - so kann ich dessen Funktion ergänzen und versichern, indem ich mir eine schriftliche Aufzeichnung mache. Die Fläche, welche diese Aufzeichnung bewahrt,…, ist dann gleichsam ein materialisiertes Stück des Erinnerungsapparates, den ich sonst unsichtbar in mir trage.“
So beginnt Sigmund Freud seine Notiz über den „Wunderblock“ (1925). Er beschreibt darin ein neuartiges Gerät, das ihn wegen der Analogie zu seiner schon länger geäußerten Vermutung über zwei verschiedene Systeme des Wahrnehmungsapparates und dessen Erinnerungsspuren interessiert. Dieses Gerät ist ein Wissensspeicher, der allerdings nicht viele Erinnerungsspuren aufnehmen kann.
Unser Wunderblog kann diese Papiertafel mit Wachsmasse und Zelluloidplatte gleichzeitig nachahmen und ersetzen: als elektronisches Tagebuch im Netz lässt er sich unendlich oft beschreiben und zudem noch an viele Nutzer verteilen.
Der Wunderblog soll unser Aufzeichnungsgerät sein, mit dem wir die Frage „Wieviel Psychoanalyse ist im Alltag?“ beantworten. Was wird öffentlich gedacht, geredet und entschieden über die Psychoanalyse, mithilfe ihrer Theorien und Begriffe? In welchem Licht erscheinen Nachrichten aus Kultur und Zeitgeschehen, wenn wir sie psychoanalytisch deuten und interpretieren?
Wir finden Sprachwitz in der Werbung, Fehlleistungen bei den Politikern, wir lesen und verfassen innerlich Kommentare zu Kunstwerken, zu Theater- und Musikaufführungen. Das alles erfahren wir täglich und lassen es ungenutzt vorbeiziehen. Im Wunderblog soll es einen Speicher finden. Sie sind eingeladen, sich mit Beiträgen zu beteiligen. Es darf amüsant sein, darum suchen wir auch Bilder, Fotos und Comics. Die Texte sind mehr Glosse als Klage, mehr Vignette als Elaborate.
Bitte schicken Sie mir Ihre Beobachtungen aus dem Alltag, die die Beziehung von Psychoanalyse und Kultur betreffen, in welcher Bindung und unter welchem Vorzeichen auch immer: Hinweise auf Theaterstücke, Kunstausstellungen, Neuerscheinungen jedweder Buchsparte, das Geschehen in Forschung und Lehre, akademisch und außerakademisch.
Adressieren Sie an Christiane Schrübbers per Adresse: netzkurator@freud-lacan-berlin.de