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Arbeitsgruppen und Seminare 2019

Seminar VIII von Jacques Lacan, Die Übertragung 1960-1961

„Sprechen über und mit Begriffen der Psychoanalyse". 

Eine Art, den Begriffen näher zu kommen: sie benutzen, sie sprechen, übersetzen und besprechen, notieren, an Bekanntes anlagern und befremden. Im Seminar VIII von Jacques Lacan geht es um die Übertragung. „Ausgangspunkt ist das Gastmahl von Platon, jener rätselhaften Zusammenkunft in der griechischen Antike, in der man speiste, debattierte und nach festgelegten Riten möglichst nicht zu viel trank, nach Lacans Ansicht, weil man noch einen Kater vom Vorabend hatte oder eben nicht, schwierig zu ermitteln, vor allem aber um sich in illustrer Runde zu vergnügen. Wie jeder weiß geht es hier um die Liebe, genauer, wie in der antiken griechischen Mythologie üblich um die Knabenliebe." (Klappentext der Übersetzung von Gondek). Wir werden auch bei Freud und anderswo nachlesen.

Einstieg ist jederzeit möglich. 

Kosten: für Mitglieder der Freud Lacan Gesellschaft  sowie der Psychoanalytischen Bibliothek, Berlin, frei. Oder „Freund der Bibliothek" werden (10,- € jeden Monat auf das Konto der Bibliothek überweisen) - als „Freund der Bibliothek" frei. Oder einen Seminar-Beitrag von 25,- € auf das Konto der Freud Lacan Gesellschaft  Berlin überweisen. 

Veranstalter: Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin

Leitung: Karl-Josef Pazzini (pazzini@gmx.de), Georgette Schosseler-Prum (georgette.schosseler@gmail.com)

Anmeldung erforderlich!




Lust an der Grenze.
Phantastische Konstruktionen der Zugehörigkeit, der Einmauerung und des Ausgeschlossenseins

Ein öffentliches Seminar der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin
Leitung: Claus-Dieter Rath
 

Samstag, 11. Januar 2020 (17-19h):

Gespräch über die Themenschwerpunkte

Die Teilnehmer dieses Seminars erkunden die Funktion von Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen, wie sie sich in der psychoanalytischen und politischen Erfahrung darstellen.
Die Frage dabei lautet: Wenn heute allenthalben Grenz-Spektakel inszeniert werden, vermag die Psychoanalyse das darin wirkende Begehren und Aufbegehren zu erhellen und Zusammenhänge etwa mit Problematiken des Körper-Ichs und der Besetzung erogener Randzonen zu erkennen? Wie funktioniert psychisch das Abgrenzen, Ausgrenzen und Eingrenzen, Isolieren, Eindämmen in Neurose, Psychose, Perversion? Und wie das Umschlagen von Lust/Unlust und Schmerz? Von Bindung und Entbindung? Was bewirken die unterschiedlichen Formen der Verwerfung? Wie kann – "Lust an der Grenze" – plaisir die überbordende jouissance eindämmen?

Gelingt es uns, Beziehungen darzustellen zwischen der psychischen Organisation und
- dem propagandistischen Schreckensbild offener Grenzen, in deren Folge die einheimische Bevölkerung und ihre Kultur in einer Migrantenflut umkommen sollen,
- subjektiven und kollektiven Identifizierungszwängen, den Politiken der Andersartigkeit, dem Beschwören einer besonderen Gruppen-Identität und einer diffusen Sehnsucht nach Souveränität,
- Globalisierungsangst, Entgrenzungssehnsucht und die Wirksamkeit von Befreiungsversprechen, die zur Einschließung in Kommunikations- und Zeichensysteme verführen,
- der Faszination am Niederreißen von Grenzen oder (kalkulierten, provokativen, kopflosen) Grenzüberschreitungen,
- der Koexistenz von Gefühlsroheit und höchster Sensibilität im Narzissmus der kleinen Differenzen,
- der Aufhebung von Grenzkontrollen oder deren Wiedereinführung (auch bezüglich sprachlicher und sittlicher Korrektheit oder ästhetischer und ökologischer Richtwerte und Normen)?
Wie werden diese Prozesse in kollektiven und individuellen Mythen transportiert? Welche Rolle spielen dabei Sprache, Topologie (mit ihren Schranken und Knotungen) und Sexualität?
Studieren wir auch die Grenze als Verbindende, also den Grenzverkehr zwischen den "Reiche[n], Gebiete[n], Provinzen, in die wir den Seelenapparat der Person zerlegen" (Freud: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, GW XV, S. 79).

"Normalerweise ist uns nichts gesicherter als das Gefühl unseres Selbst, unseres eigenen Ichs. Dies Ich erscheint uns selbständig, einheitlich, gegen alles andere gut abgesetzt. Dass dieser Anschein ein Trug ist, dass das Ich sich vielmehr nach innen ohne scharfe Grenze in ein unbewusst seelisches Wesen fortsetzt, das wir als Es bezeichnen, dem es gleichsam als Fassade dient, das hat uns erst die psychoanalytische Forschung gelehrt, die uns noch viele Auskünfte über das Verhältnis des Ichs zum Es schuldet. [...]
Die Pathologie lehrt uns eine große Anzahl von Zuständen kennen, in denen die Abgrenzung des Ichs gegen die Außenwelt unsicher wird, oder die Grenzen wirklich unrichtig gezogen werden; Fälle, in denen uns Teile des eigenen Körpers, ja Stücke des eigenen Seelenlebens, Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle wie fremd und dem Ich nicht zugehörig erscheinen, andere, in denen man der Außenwelt zuschiebt, was offenbar im Ich entstanden ist und von ihm anerkannt werden sollte. Also ist auch das Ichgefühl Störungen unterworfen und die Ichgrenzen sind nicht beständig."
Freud (1929): Das Unbehagen in der Kultur, GW XIV, S. 423f.

 

Weitere Seminartermine, jeweils Samstag 17-19h:

08. Februar
07. März
25. April
09. Mai
20. Juni u. Sonntag 21. Juni (am Sonntag nur 11h-14h)

 

Ort: Psychoanalytische Bibliothek Berlin
 
Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin (Hinterhaus, Erdgeschoss). (www.psybi-berlin.de)
U2 Ernst-Reuter-Platz, S Savignyplatz, S, U2, U9 Zoologischer Garten
 
Teilnahmegebühren: Wer nicht Mitglied der Freud-Lacan-Gesellschaft (FLG) ist, bezahlt 10€ pro Sitzung (Studenten u. Arbeitslose 5€).
 

Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin, RathCD@aol.com

 


  

Psychoanalyse und Musik

Arbeitsgruppe der Freud-Lacan-Gesellschaft
 

Es gibt nur wenige Textstellen, an denen sich Freud auf Musik bezieht. Die Journalistin Caroline Fetscher hat ihn in ihrem im Tagesspiegel erschienen Artikel Die Musik der Sprache, 22.05.2016 wie folgt zitiert:

"Eine rationalistische oder vielleicht analytische Anlage sträubt sich in mir dagegen, dass ich ergriffen sein und dabei nicht wissen solle, warum ich es bin und was mich ergreift." Freud:1914GW s.172

Andere Autoren, wie Sebastian Leikert, haben darauf hingewiesen, dass die Musik in der psychoanalytischen Literatur eher selten behandelt wird. Die Arbeitsgruppe soll sich der Frage widmen, warum das so ist.

Was ist es, was den Zugang zur Musik erschwert? Ist es die mangelnde musikalische Vorkenntnis, die oft als Grund genannt wird? Ich denke, es gibt eher einen anderen Grund. Die beiden Grundelemente der Musik sind der Rhythmus und der Klang. Beide Elemente gehen zurück auf vorgeburtliche Sinneseindrücke. Der erste Rhythmus, den jeder Mensch hört, ist der Herzschlag der Mutter. Die ersten Klänge sind eine Mischung aus den inneren Geräuschen aus dem Körper der Mutter und Geräuschen aus der Umgebung. Während sich der Rhythmus (meist) in einer symbolischen Schreibweise darstellen lässt, ist dies beim Klang bedeutend schwieriger. Die gleichen Noten klingen nicht immer gleich, die Akkorde G und D können in einem Stück von John Lennon hunderte Male mit Freude gehört werden, während sie in einem anderen Popstück schon nach wenigen Malen hören zum Verdruss führen. Im Klang findet etwas statt, dass sich der Symbolisierung entzieht, das gar nicht symbolisierbar ist. Er gehört damit (auch) in die Sphäre des Realen. Doch auch im Rhythmus finden sich Spuren des Realen. Am deutlichsten zeigt sich das im Pausenzeichen, das dem Gedankenstrich gleicht. Das, was in der Pause passiert, das passiert woanders (wobei das Passieren dem Wortsinn nach ein Vorüberziehen lassen ist). Die Pause kann gezählt werden, muss aber nicht. Oder sie wird zum Thema der Musik selbst, wie in John Cages Stück Silence. Hier wird die Pause zum reinen Klang. Eine Annäherung an das Thema ist also notwendig auch eine Annäherung an eine Theorie des Realen, die möglicherweise neue und andere Aufschlüsse zulässt.

Wir werden zur Einführung den Text "Prägungen von Dauer" von Burnt Friedman lesen, erschienen in dem Sammelband Jaki Liebezeit, the Life, Theory and Practice of a Master Drummer, 2020, London. Der Text wird den Teilnehmern der Gruppe zur Verfügung gestellt.

 

Termine: Die Gruppe wird einmal im Monat tagen, jeweils Freitags um 19.00 Uhr. Der erste Termin findet am Freitag, den 07.02.2020 statt.

Ort: Architekturbüro Liebscher-Tauber und Tauber, Anklamer Straße 12 in 10115 Berlin

Um Voranmeldung wird gebeten.

Kontakt: Cornelius Tauber tauber-architekten@snafu.de

 

Literaturverzeichnis (die Liste wird nach Abstimmung in der Gruppe ergänzt)
Jaki Liebezeit, the Life, Theory and Practice of a Master Drummer, Ed. Jono Podmore, 2020, London
Von der Musik zur Sprache und wieder zurück, Jahrbuch für Psychoanalyse und Musik -Band1, Sebastian Leikert und Antje Niebuhr (Hg) 2017 und weitere Veröffentlichung der Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik
Klang als Geschichtsmedium, Perspektiven für eine auditive Geschichtsschreibung, Bielefeld 2019, Anna Langenbruch (Hg.)
Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt, Theodor W. Adorno, Frankfurt 1956 und weitere Schriften 1000 Plateaus, Gilles Deleuze / Félix Guattari, Paris 1980 und weitere Schriften

 


 

Jacques Lacan, Das Seminar, Buch I von 1953 bis 1954
Freuds technische Schriften / Les écrits techniques de Freud

Veranstalter: Freud-Lacan-Gesellschaft, Berlin

Leitung: Georgette Schosseler-Prum (georgette.schosseler@gmail.com)

Adresse: Psychoanalytische Bibliothek, Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin (www.psybi-berlin.de)

In der Regel jeden Montag von 18:00 bis 19:30Uhr (Infos: www.georgette.lu)

Bitte Anmelden.

Lektüregruppe in französischer und deutscher Sprache.
Zitat: „Die Formel das Begehren des Menschen ist das Begehren des anderen muß, wie jede andere Formel, an ihren Platz gestellt werden. Sie ist nicht in bloß einem Sinn gültig. Sie gilt auf der Ebene, von der wir ausgegangen sind, derjenigen der imaginären Verhaftung. Doch sie ist, wie ich Ihnen am Ende der letzten Sitzung gesagt habe, auf sie nicht beschränkt. Anders, so habe ich ihnen auf mythische Weise angedeutet, gäbe es keine andere mögliche zwischenmenschliche Beziehung als die wechselseitige und radikale Intoleranz gegen die Koexistenz der Bewußtseine, wie Herr Hegel sich ausdrückt- wobei jeder andere wesentlich der bleibt, der das menschliche Wesen nicht bloß um sein Objekt, sondern um die Form seines Begehrens verkürzt.“ (Lacan, ebd., S. 226)

Textgrundlage:
Jacques Lacan, Das Seminar Buch I (1953-1954): Freuds technische Schriften. Turia+Kant.
Jacques Lacan, Le Séminaire - Livre I _ Les écrits techniques de Freud. Seuil.
Sigmund Freud, Texte auf die sich Jacques Lacan im Seminar I, bezieht.

Teilnahmegebühr: 25 € pro Semester, an das Konto der FLG, Berlin. Für Mitglieder frei.

 


 

Klein-Lacan-Dialoge 2

Seminar
Leitung: Ilsabe Witte & Robin Cackett

Das Seminar will durch Gegenüberstellung der beiden Autoren Klein und Lacan das theoretische Rüstzeug schärfen, das Analytiker und Analytikerinnen der beiden Traditionen zum Verständnis und zur Ausrichtung ihrer jeweiligen Praxis benutzen, und eine Debatte über Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen diesen beiden psychoanalytischen Denkern anstoßen. Wir lehnen uns dabei an eine 2010-2011 in London gehaltene Vortragsreihe an, die sich mit den Themen Ich, Objekt, Körper, Trauma, Affekte, Autismus, Symbolisierung sowie mit der Frage beschäftigt, weshalb der Dialog zwischen den beiden psychoanalytischen Schulen so schwierig ist.

Arbeitsgrundlage ist das Buch: The New Klein-Lacan-Dialogues, hrsg. Julia Borossa, Catalina Bronstein und Claire Pajaczkowska, London, Karnac Books, 2015

Termin: Monatlich, jeweils am 2. Mittwoch des Monats um 20.00 Uhr: 14.8, 11.9., 2.10., 13.11., 11.12.2019

Ort: Psychoanalytische Bibliothek Berlin
 
Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin (Hinterhaus, Erdgeschoss). (www.psybi-berlin.de)
U2 Ernst-Reuter-Platz, S Savignyplatz, S, U2, U9 Zoologischer Garten
 
Kosten: Seminar-Beitrag von 25,- € pro Halbjahr. Für Mitglieder der Freud-Lacan-Gesellschaft sowie der Psychoanalytischen Bibliothek frei. 

Anmeldung erwünscht.

Kontakt: Robin Cackett, Tel. 0179-11264113

 


 

Seminar zum Objekt a

Leitung: Anne-Marie von Lieres

Freud blieb am „Fels der Kastration/ roc de la castration“ stehen. Lacan versuchte hier mit dem Objekt a, das er als seine eigene Erfindung betrachtete, weiterzukommen. Der Fels/ roc ist das a, behauptete er. Indem Lacan das Objekt a als Ursache und nicht als Ziel des Begehrens auffasste, änderte er die gewöhnliche Perspektive des Objekts in der psychoanalytischen Theorie. Laut Lacan hat das Subjekt keine Vorstellung von diesem Objekt a. Nur die Angst/ l’angoisse des Subjekts signalisiert dessen unbeschreibliche Anwesenheit. In Lacans Seminar X: L’angoisse (1962-63) wird das Objekt a in vier Stufen vorgestellt: als Brust, Kothäufchen, Blick und Stimme. Letztendlich bleibt es aber unvorstellbar. Das Objekt a hat gleichwohl Wirkungen/ effets auf das Reale des Subjekts und ist deswegen zentral in der psychoanalytischen Arbeit. 

Unsere Lektüregruppe wird sich mit verschiedenen Texten Lacans über das Objekt a auseinandersetzen, besonders mit Seminar X und Seminar XI sowie mit Texten von Autoren, die sich mit diesem Thema befasst haben. Die Gruppe wird in Deutsch und Französisch stattfinden.

Termine: 28. Februar, 25. April, 30. Mai, 27. Juni 2019
Ort: Psychoanalytische Bibliothek Berlin
Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin (Hinterhaus, Erdgeschoss). (www.psybi-berlin.de)
U2 Ernst-Reuter-Platz, S Savignyplatz, S, U2, U9 Zoologischer Garten

 


 

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