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Arbeitsgruppen und Seminare 2020

Lust an der Grenze.
Phantastische Konstruktionen der Einmauerung und des Ausgeschlossenseins

Ein öffentliches Seminar der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin
Leitung: Claus-Dieter Rath
 

Liebe Teilnehmer und Interessenten,
die nächste Sitzung dieses Seminars kann erst am Wochenende 12./13. September stattfinden.
Die Pandemie-Krise ist als massive Grenze eine Arbeitsbedingung dieses Seminars selbst geworden. Der Grenzverlauf wird derzeit vom Jenseits des Lustprinzips bestimmt.

Ich lade Sie ein, mir in der Zwischenzeit Ihre aktuellen Beobachtungen, Überlegungen, Lektüren zu „Lust an der Grenze“, zu Einmauerung und Ausgeschlossensein per mail zuzusenden (meine Skizze vom Januar 2020 ist hier ganz unten nochmals wiedergegeben). Ich kann diese an die eingeschriebenen Teilnehmer weiterleiten und dafür sorgen, dass sie in die weitere Arbeit des Seminars einfließen.
Bis zum nächsten Mal
Claus-D. Rath

 

Samstag 12. September (17-19h) u. Sonntag 13. September (11h-14h):
Geplant sind Interventionen von
- Susanne Hübner: Kindswohl und Wollust: Der Babykörper als phantasmatischer Schauplatz zwischen Einfühlung und Einverleibung. Ein ikonografischer Streifzug mit psychoanalytischen Fragestellungen.

Literaturvorschläge:
Fangerau, Heiner/Hornuff, Daniel (Hg.) (2020): Visualisierung des Ungeborenen, Interdisziplinäre Perspektiven. Wilhelm Fink Verlag.
Laurent, Éric (2019): Die Kehrseite der Biopolitik, Eine Schrift für das Genießen. Hrsg. Neues Lacan’sches Feld. Turia + Kant, Wien.
Meyer, Guido (2004): Geburt, Angst, Tod und das Begehren nach dem Mutterleib, Geschichte der Urthemen in der Psychoanalyse, Wissen & Praxis, Bd. 129. Brandes & Apsel, Frankfurt a. M.

- Jerôme Kieffer: Was ist ein Opfer? Was ist es, ein Opfer zu ›sein‹, zu werden, zu bleiben, nicht mehr zu sein?

Sonntag:
- Claus-Dieter Rath: Gusto und disgusto. Ekelhaft! Grenzen des Geschmacks und Geschmack an Grenzen

Literaturvorschläge:
Bovenschen, Silvia (2000): Über-Empfindlichkeit. Spielformen der Idiosynkrasie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
Freud, Sigmund (1905): Bruchstück einer Hysterie-Analyse (1905). GW 5, StA 6
Freud, Sigmund (1925h). Die Verneinung. In: GW 14, S. 11-15; StA 3, S. 373-377
Perniola, Mario (2003 [1998]). Ekel. Die neuen ästhetischen Tendenzen [Disgusti. Le nuove tendenze estetiche; ed. Costa & Nolan]. Übers. N. Finsinger. Wien: Turia u. Kant. Bes. Kap. 1: “Die Abenteuer des Ekels zwischen Ästhetik und Politik“ (S. 9-24).
Rath, Claus-D. (2009). Der besorgte Esser. Zur Psychoanalyse der Esskultur. In D. Dell’Agli (Hrsg.), Essen als ob nicht. Gastrosophische Modelle. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 201-262.

Hinweis: Die deutsche Übersetzung des autobiografischen Romans von Vanessa Springora, der – zusammen mit Freuds Falls „Dora“ – Gegenstand der beiden ersten Sitzungen dieses Seminars war, soll Anfang Juni im Blessing Verlag erscheinen. Vgl. https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Einwilligung/Vanessa-Springora/Blessing/e581576.rhd

 

Die Teilnehmer dieses Seminars erkunden die Funktion von Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen, wie sie sich in der psychoanalytischen und politischen Erfahrung darstellen.
Die Frage dabei lautet: Wenn heute allenthalben Grenz-Spektakel inszeniert werden, vermag die Psychoanalyse das darin wirkende Begehren und Aufbegehren zu erhellen und Zusammenhänge etwa mit Problematiken des Körper-Ichs und der Besetzung erogener Randzonen zu erkennen? Wie funktioniert psychisch das Abgrenzen, Ausgrenzen und Eingrenzen, Isolieren, Eindämmen in Neurose, Psychose, Perversion? Und wie das Umschlagen von Lust/Unlust und Schmerz? Von Bindung und Entbindung? Was bewirken die unterschiedlichen Formen der Verwerfung? Wie kann – "Lust an der Grenze" – plaisir die überbordende jouissance eindämmen?

Gelingt es uns, Beziehungen darzustellen zwischen der psychischen Organisation und
- dem propagandistischen Schreckensbild offener Grenzen, in deren Folge die einheimische Bevölkerung und ihre Kultur in einer Migrantenflut umkommen sollen,
- subjektiven und kollektiven Identifizierungszwängen, den Politiken der Andersartigkeit, dem Beschwören einer besonderen Gruppen-Identität und einer diffusen Sehnsucht nach Souveränität,
- Globalisierungsangst, Entgrenzungssehnsucht und die Wirksamkeit von Befreiungsversprechen, die zur Einschließung in Kommunikations- und Zeichensysteme verführen,
- der Faszination am Niederreißen von Grenzen oder (kalkulierten, provokativen, kopflosen) Grenzüberschreitungen,
- der Koexistenz von Gefühlsroheit und höchster Sensibilität im Narzissmus der kleinen Differenzen,
- der Aufhebung von Grenzkontrollen oder deren Wiedereinführung (auch bezüglich sprachlicher und sittlicher Korrektheit oder ästhetischer und ökologischer Richtwerte und Normen)?
Wie werden diese Prozesse in kollektiven und individuellen Mythen transportiert? Welche Rolle spielen dabei Sprache, Topologie (mit ihren Schranken und Knotungen) und Sexualität?
Studieren wir auch die Grenze als Verbindende, also den Grenzverkehr zwischen den "Reiche[n], Gebiete[n], Provinzen, in die wir den Seelenapparat der Person zerlegen" (Freud: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, GW XV, S. 79).

"Normalerweise ist uns nichts gesicherter als das Gefühl unseres Selbst, unseres eigenen Ichs. Dies Ich erscheint uns selbständig, einheitlich, gegen alles andere gut abgesetzt. Dass dieser Anschein ein Trug ist, dass das Ich sich vielmehr nach innen ohne scharfe Grenze in ein unbewusst seelisches Wesen fortsetzt, das wir als Es bezeichnen, dem es gleichsam als Fassade dient, das hat uns erst die psychoanalytische Forschung gelehrt, die uns noch viele Auskünfte über das Verhältnis des Ichs zum Es schuldet. [...]
Die Pathologie lehrt uns eine große Anzahl von Zuständen kennen, in denen die Abgrenzung des Ichs gegen die Außenwelt unsicher wird, oder die Grenzen wirklich unrichtig gezogen werden; Fälle, in denen uns Teile des eigenen Körpers, ja Stücke des eigenen Seelenlebens, Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle wie fremd und dem Ich nicht zugehörig erscheinen, andere, in denen man der Außenwelt zuschiebt, was offenbar im Ich entstanden ist und von ihm anerkannt werden sollte. Also ist auch das Ichgefühl Störungen unterworfen und die Ichgrenzen sind nicht beständig."
Freud (1929): Das Unbehagen in der Kultur, GW XIV, S. 423f.

 

Die weiteren Samstagstermine (immer 17-19h) sind voraussichtlich
10. Oktober 
7. November 
5. Dezember 

Ort: Psychoanalytische Bibliothek Berlin
 
Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin (Hinterhaus, Erdgeschoss). (www.psybi-berlin.de)
U2 Ernst-Reuter-Platz, S Savignyplatz, S, U2, U9 Zoologischer Garten
 
Teilnahmegebühren: Wer nicht Mitglied der Freud-Lacan-Gesellschaft (FLG) ist, bezahlt 10€ pro Sitzung (Studenten u. Arbeitslose 5€).
 

Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin, RathCD@aol.com

 


  

Psychoanalyse und Musik

Arbeitsgruppe der Freud-Lacan-Gesellschaft
 

Es gibt nur wenige Textstellen, an denen sich Freud auf Musik bezieht. Die Journalistin Caroline Fetscher hat ihn in ihrem im Tagesspiegel erschienen Artikel Die Musik der Sprache, 22.05.2016 wie folgt zitiert:

"Eine rationalistische oder vielleicht analytische Anlage sträubt sich in mir dagegen, dass ich ergriffen sein und dabei nicht wissen solle, warum ich es bin und was mich ergreift." Freud:1914GW s.172

Andere Autoren, wie Sebastian Leikert, haben darauf hingewiesen, dass die Musik in der psychoanalytischen Literatur eher selten behandelt wird. Die Arbeitsgruppe soll sich der Frage widmen, warum das so ist.

Was ist es, was den Zugang zur Musik erschwert? Ist es die mangelnde musikalische Vorkenntnis, die oft als Grund genannt wird? Ich denke, es gibt eher einen anderen Grund. Die beiden Grundelemente der Musik sind der Rhythmus und der Klang. Beide Elemente gehen zurück auf vorgeburtliche Sinneseindrücke. Der erste Rhythmus, den jeder Mensch hört, ist der Herzschlag der Mutter. Die ersten Klänge sind eine Mischung aus den inneren Geräuschen aus dem Körper der Mutter und Geräuschen aus der Umgebung. Während sich der Rhythmus (meist) in einer symbolischen Schreibweise darstellen lässt, ist dies beim Klang bedeutend schwieriger. Die gleichen Noten klingen nicht immer gleich, die Akkorde G und D können in einem Stück von John Lennon hunderte Male mit Freude gehört werden, während sie in einem anderen Popstück schon nach wenigen Malen hören zum Verdruss führen. Im Klang findet etwas statt, dass sich der Symbolisierung entzieht, das gar nicht symbolisierbar ist. Er gehört damit (auch) in die Sphäre des Realen. Doch auch im Rhythmus finden sich Spuren des Realen. Am deutlichsten zeigt sich das im Pausenzeichen, das dem Gedankenstrich gleicht. Das, was in der Pause passiert, das passiert woanders (wobei das Passieren dem Wortsinn nach ein Vorüberziehen lassen ist). Die Pause kann gezählt werden, muss aber nicht. Oder sie wird zum Thema der Musik selbst, wie in John Cages Stück Silence. Hier wird die Pause zum reinen Klang. Eine Annäherung an das Thema ist also notwendig auch eine Annäherung an eine Theorie des Realen, die möglicherweise neue und andere Aufschlüsse zulässt.

Wir werden zur Einführung den Text "Prägungen von Dauer" von Burnt Friedman lesen, erschienen in dem Sammelband Jaki Liebezeit, the Life, Theory and Practice of a Master Drummer, 2020, London. Der Text wird den Teilnehmern der Gruppe zur Verfügung gestellt.

 

Termine: Die Gruppe wird einmal im Monat tagen, jeweils Freitags um 19.00 Uhr.

Der nächste Termin findet am Freitag, den 05.06.2020 um 18.00 Uhr statt.

Wer möchte kann sich auf zoom dazuschalten: 

Ort: Architekturbüro Liebscher-Tauber und Tauber, Anklamer Straße 12 in 10115 Berlin

Um Voranmeldung wird gebeten.

Kontakt: Cornelius Tauber tauber-architekten@snafu.de

 

Literaturverzeichnis (die Liste wird nach Abstimmung in der Gruppe ergänzt)
Jaki Liebezeit, the Life, Theory and Practice of a Master Drummer, Ed. Jono Podmore, 2020, London
Von der Musik zur Sprache und wieder zurück, Jahrbuch für Psychoanalyse und Musik -Band1, Sebastian Leikert und Antje Niebuhr (Hg) 2017 und weitere Veröffentlichung der Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik
Klang als Geschichtsmedium, Perspektiven für eine auditive Geschichtsschreibung, Bielefeld 2019, Anna Langenbruch (Hg.)
Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt, Theodor W. Adorno, Frankfurt 1956 und weitere Schriften 1000 Plateaus, Gilles Deleuze / Félix Guattari, Paris 1980 und weitere Schriften

 


 

Lacan, Seminar I (1953-1954): Freuds technische Schriften / Les écrits techniques de Freud

Veranstalter: Freud-Lacan-Gesellschaft, Berlin

Leitung: Georgette Schosseler-Prum (georgette.schosseler@gmail.com)

Termine:
Berlin: In der Regel jeden Montag von 18:00 bis 19:30Uhr (Pause vom 16. März bis 20.April 2020)
Luxemburg: Jeden letzten Freitag des Monats (Pause April und Mai)
Terminänderungen auf der Webseite www.georgette.lu

Lektüregruppe in französischer und deutscher Sprache. (Um Anmeldung wird gebeten.)
Zitat: „Die Formel das Begehren des Menschen ist das Begehren des anderen muß, wie jede andere Formel, an ihren Platz gestellt werden. Sie ist nicht in bloß einem Sinn gültig. Sie gilt auf der Ebene, von der wir ausgegangen sind, derjenigen der imaginären Verhaftung. Doch sie ist, wie ich Ihnen am Ende der letzten Sitzung gesagt habe, auf sie nicht beschränkt. Anders, so habe ich ihnen auf mythische Weise angedeutet, gäbe es keine andere mögliche zwischenmenschliche Beziehung als die wechselseitige und radikale Intoleranz gegen die Koexistenz der Bewußtseine, wie Herr Hegel sich ausdrückt- wobei jeder andere wesentlich der bleibt, der das menschliche Wesen nicht bloß um sein Objekt, sondern um die Form seines Begehrens verkürzt.“ (Lacan, ebd., S. 226)

Textgrundlage:
Jacques Lacan, Das Seminar Buch I (1953-1954): Freuds technische Schriften. Turia+Kant.
Jacques Lacan, Le Séminaire - Livre I _ Les écrits techniques de Freud. Seuil.
Sigmund Freud, Texte auf die sich Jacques Lacan im Seminar I, bezieht.

 

Liebe Interessierte,

mit dem Seminar, Buch I, Jacques Lacan „Freuds technische Schriften“ (1953-54), sind wir beim letzten Kapitel ( XXII) „ DER BEGRIFF DER ANALYSE“, angekommen.

Wir werden das Seminar bis zur Sommerpause beenden.

Im September beginnen wir das Seminar, Buch II, Jacques Lacan „ Das ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse“.

Das Lektüre Seminar ist eine Veranstaltung der (FLG) Freud Lacan Gesellschaft, Berlin.Anmeldung und Infos: georgette.schosseler@gmail.com (0162 100 88 99)
Adresse: Psychoanalytischen Bibliothek, Berlin
Hardenbergstrasse 9, 10623 Berlin
www.psybi-berlin.de

Mit freundlichen Grüßen

Georgette Schosseler-Prum

 


 

Atelier_Zeichnen Psychoanalytisch gerahmt.

Veranstalter: Freud-Lacan-Gesellschaft, Berlin
Leitung: Georgette Schosseler-Prum
Termine: Dienstags, zwischen 14:00 – 16:00 Uhr (mit Anmeldung)
Information sowie Anmeldung: georgette.schosseler@gmail.com
oder Tel: 0049 162 1008899

Die Zeichnung: ein potentiell kreativer Raum und die Psychoanalyse. Eine etwas andere Möglichkeit, über etwas zu sprechen, das drückt.
Alles zeichnen, was so einfällt oder anblickt. Als Beispiel die „écriture automatique“, das Automatische Schreiben, warum nicht automatisches Zeichnen, Kritzeln, Striche, Formen, Lücken. Psychoanalytisch wird das Sprechen, das von der Zeichnung ausgeht, so wie das Erzählen eines Traumes gehört. Ja, derjenige, der zeichnet, probiert zugleich auch zu deuten.
Die Zeichnung wird zur Ur-Sache des Sprechens erhoben. Vielleicht auch das nicht Gesprochene zur Ur-Sache des Zeichnens. „L’objet (…) élevé à la dignité de la Chose“ (Jacques Lacan, L’étique de la psychanalyse. Seuil, p.134)
Für Jugendliche und Erwachsene (auch Psychoanalytiker).